Haartypen – So pflegst du dein Haar je nach Struktur richtig

Ob glatt, lockig oder kraus – das menschliche Haar kann viele verschiedene Strukturen aufweisen. Allgemein wird Haar in vier Typen aufgeteilt, die sich wiederum in Untertypen aufteilen lassen. Jeder Haartyp hat seine eigenen Herausforderungen und bedarf einer speziellen Pflege. Um souverän die passenden Pflegeprodukte wählen zu können, muss man zuerst seinen exakten Haartyp kennen. Wir erklären, was es mit den einzelnen Haartypen auf sich hat und woran man sie erkennt.
Woraus besteht Haar eigentlich?
Um den eigenen Haartyp bestimmen zu können, muss man erst verstehen, wie das Haar aufgebaut ist. Haare bestehen zu 90 % aus Keratin, einem Protein, das auch für den Aufbau von Finger- und Fußnägeln verantwortlich ist. Der Haarschaft, der sichtbare Teil des Haares, ist in drei Schichten aufgeteilt. Von außen nach innen sind diese die Schuppenschicht (Cuticula), die Faserschicht (Cortex) und der Markkanal (Medulla).
Die Schuppenschicht
Die äußerste Schicht – die Schuppenschicht – setzt sich aus mehreren Lagen abgestorbener Zellen zusammen, die ähnlich den Schuppen eines Tannenzapfens angeordnet sind. Die farblosen Schuppen liegen sehr eng beieinander und schützen den Cortex, die mittlere Schicht des Haarschaftes, vor äußeren Einflüssen. Ist das Haar gesund, liegen die Schuppen der Schuppenschicht flach an, die Oberfläche des Haarschaftes ist glatt und fühlt sich geschmeidig an. Außerdem reflektiert eine glatte Oberfläche das Licht optimal, wodurch das Haar einen attraktiven Glanz erhält. Bei einer flach anliegenden Schuppenschicht ist die Haarporosität am niedrigsten. Ist die Schuppenschicht geschädigt, wirkt das Haar jedoch glanzlos und stumpf, die einzelnen Haare verhaken sich ineinander und lassen sich nur schwer ausbürsten. Die Schuppenschicht kann durch äußere Einflüsse wie Chemikalien beschädigt werden, doch kann sprödes Haar auch das Ergebnis einer mangelhaften Ernährung sein.
Die Faserschicht
Der Cortex, die mittlere Haarschicht, macht rund 80 % des Haaranteils aus. Diese Faserschicht besteht aus feinen Keratinbündeln, die eng miteinander verkittet sind. Jede einzelne Zelle der Faserschicht besteht aus Hunderten von untereinander verflochtenen Keratinsträngen, die mikroskopische Ketten bilden. Diese Ketten sind durch Querbrücken miteinander verbunden. Peptidverbindungen verknüpfen die Eiweißstoffe, während Wasserstoffbrücken die in den Eiweißen und Aminosäuren enthaltenen Wasserstoff- und Sauerstoffatome miteinander verbinden. Schwefelbrücken hingegen sind teilweise für die Form des Haares verantwortlich. Bei einer Dauerwelle oder beim Glätten des Haares verändern die Schwefelbrücken ihre Lage gegenüber den Keratinketten. Doch diese neue Lage ist nur vorübergehend: Mit der Zeit kehren die Schwefelbrücken an ihre ehemalige Position zurück, und die Behandlung muss wiederholt werden. Da sich im Cortex das Pigment, das dem Haar seine Färbung gibt, ist diese Schicht beim Färben des Haares ausschlaggebend. Wasserstoffperoxid lockert die Schuppenschicht auf und erlaubt es den Pigmenten, in den Cortex einzudringen. Beim Bleichen des Haares wird dem Cortex das Pigment entzogen. Die Faserschicht ist auch für die Elastizität und die Widerstandsfähigkeit des Haares verantwortlich. Je stärker die Keratinketten sind, desto robuster ist das Haar.
Der Markkanal
Wissenschaftler rätseln immer noch über die Bedeutung des Markkanals. Diese innerste Haarschicht, die auch Medulla genannt wird, kommt nur in sehr dicken Haaren vor. Sie ist mit einer schwammigen Masse gefüllt, bei der es sich größtenteils um Fette und Abbauprodukte der Cortexzellen handelt. Zur Spitze des Haares hin fehlt der Markkanal teilweise, in einigen Fällen sogar ganz. In der Medulla treten oft Hohlräume auf, denn es mangelt an einer geordneten Struktur. Somit unterscheidet sich der Markkanal von den anderen Schichten, in denen es überaus geordnet zugeht.
Die Haarwurzel
Der Haarschaft entsteht in der Haarwurzel, deren unteres Ende verdickt ist (man spricht oft von einer Haarzwiebel) und an die sogenannte Haarpapille grenzt. Zwischen der Haarzwiebel und der Haarpapille werden fortlaufend neue Haarzellen gebildet. Hier lagern Melanozyten (Pigmentzellen), die das Pigment an die Haarzellen abgeben. Die in der Haarwurzel entstehenden Haarzellen wandern nach oben, bis sie die Haut durchdringen und den Haarschaft bilden.
Der Haarfollikel
Der Haarfollikel wird auch als Haarbalg bezeichnet und umgibt die Haarwurzel. Man kann sich ihn als eine Art Einstülpung vorstellen, an dessen unterem Ende das Haar gebildet wird. In jeden Haarfollikel mündet eine Talgdrüse. Außerdem setzt am Haarfollikel der Musculus arrector pili an, ein Muskel, der das Haar aufrichten kann. Im Haarfollikel befinden sich zudem Nervenfasern, die eine Tastfunktion erfüllen. Der Haarfollikel bildet den Übergang des Haares von der Haarwurzel zur Oberfläche der Haut.
Welche Haartypen gibt es?

In der Regel unterscheidet man unter vier verschiedenen Haartypen. Oft sind auf einem einzigen Kopf sogar gleichzeitig mehrere Haartypen zu finden. Auch die Haarstruktur spielt bei der Ermittlung des Haartyps eine Rolle. Als Begründer der Klassifikation nach Haartyp gilt Andre Walker, der jahrelang als Stylist für die US-amerikanische Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey tätig war. Bei diesem Klassifizierungssystem werden neben der Welligkeit auch das Volumen und die Sprungkraft des Haares berücksichtigt. Kennt man seinen Haartyp, ist es viel einfacher, eine passende Frisur und passende Pflegemittel zu wählen.
Glattes Haar
Bei glattem Haar liegt die Schuppenschicht flach an, der Querschnitt des Haarschaftes ist rund. Dabei gibt es Haar, das absolut glatt ist und solches, das mehr Volumen und ein paar vereinzelte Wellen besitzt. Je nachdem, ob das Haar vollkommen glatt ist, eine leichte Bewegung oder sogar ein paar vereinzelte Locken hat, spricht man von den Untertypen 1a, 1b und 1c. Diese Haartypen liegen eng am Kopf an und haben in der Regel wenig Volumen. Da es auch an Griffigkeit mangelt, halten Lockenfrisuren nur sehr kurz. Für glatte Haartypen ist so gut wie jede Kurzhaarfrisur geeignet. Hier passen vor allem der Pixie Cut, der Kurzbob oder auch eine Kurzhaarfrisur mit Pony.
Welliges Haar
Bei diesem Haartyp sind wellige mit glatten Haarsträhnen vermischt. Bei welligem Haar ist der Querschnitt leicht oval, das Haar hat ein mittleres Volumen. Haartyp 2a verfügt über gestreckte Wellen, während Haartyp 2c in den lockigen Haartyp übergeht. Welliges Haar eignet sich – wie glattes Haar – für viele verschiedene Frisuren: Mit einem Glätteisen lässt sich eine moderne Kurzhaarfrisur im Sleek-Look zaubern, dank Lockenwicklern oder Lockenstab entstehen die unterschiedlichsten Lockenfrisuren.
Lockiges Haar
Bei diesem Haartyp hat der Querschnitt eine ovale Form, das Haar hat relativ viel Volumen. Man unterscheidet zwischen Spiral- und Korkenzieherlocken (3a beziehungsweise 3c). Auch lockige Haare sind bestens für eine coole Kurzhaarfrisur geeignet.
Krauses Haar
Unter dem Mikroskop betrachtet, weist ein krauser Haarschaft einen stark elliptischen Querschnitt auf. Das Haar kann sehr enge, S-förmige Locken oder geknickte Locken aufweisen. Krauses Haar ist oft brüchig und bedarf intensiver Pflege. Es kann zwar mit speziellen Mitteln geglättet werden, allerdings wird die Struktur dabei beschädigt.
Dickes oder feines Haar
Feines Haar hat einen Durchmesser von 0,01 mm – 0,04 mm und ist kaum wahrnehmbar, wenn man es zwischen Daumen und Zeigefinger rollt. Vor allem blonde Menschen haben oft sehr feines, jedoch dichtes Haar. Rotes und schwarzes Haar hat eine dicke Struktur, dafür bestehen Mähen in diesen Farben aus weniger Haaren als blonde und braune Schöpfe. Dickes Haar fühlt sich drahtig an und hat einen Durchmesser von rund 0,8 mm. Mitteldickes Haar (0,05 mm – 0,07 mm) fühlt sich wie ein dünner Baumwollfaden an.
So ermittelt man das Haarvolumen
Um das Haarvolumen zu ermitteln, genügt es, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammenzubinden. Bei einem Umfang von weniger als 5 cm ist das Volumen gering, bei 5 – 10 cm liegt es im mittleren Bereich, und bei mehr als 10 cm ist es dick. Der Haartyp setzt sich aus drei Faktoren zusammen, zu denen die Struktur, die Dicke des Haares und das Volumen gehören. So kann glattes Haar viel Volumen haben, lockiges Haar jedoch eher wenig.
Zahlen und Fakten rund um Haartypen
Viele Menschen, die ihr kurzes Haar wachsen lassen, müssen sich mehrere Jahre lang gedulden, bis das Haar die gewünschte Länge erreicht. Im Schnitt wächst das Haar 1 cm pro Monat und bleibt rund 4 bis 6 Jahre auf dem Kopf. In der Regel besteht das Haupthaar aus 85.000 bis 150.000 Haaren und pro Tag fallen ungefähr 60 bis 150 Haare aus.